Pilger-Projekt

Elisabeth Hochgartz – Dipl. Sozialpädagogin Jugendamt Vechta

Ortstermin 04.09. bis 11.09.2004

In Bischkek/KirgisienZentralasien

I Übersicht: Professionelles Projekt-Team

II Übersicht: Besuchte Jugendliche im Projekt

III Struktur einer Betreuerfamilie im Projekt

IV Therapie-Angebot im Projekt

V Formen der Berichterstellung. Zielformulierung und Kontrolle

Pilger-Projekt

Struktur und Betreuerfamilie im Projekt

- Belegte Beteuerfamilien: in der Regel 12 – 14 Familien,

- 2 Plätze gibt es für Mädchen (zzt. nicht belegt)

- Mindestens ein Elternteil ist pädagogisch oder psychologisch ausgebildet und muss sich

verpflichten, die zweite Ausbildung zu absolvieren

Ausbildung: praktische Psychologie oder praktische Pädagogik berufsbegleitend, 2 Jahre, wöchentlich 4 Stunden, mit Hausaufgaben und Prüfungen

Voraussetzung für diese Zusatzausbildung ist ein Hochschul-/oder päd./psychologischer Fachschulabschluss als Grundausbildung

Zusatzausbildung: erfolgt am Moskauer Institut für Soziales und Psychologie

- Aufsuchende Betreuung von Straßenkindern

- Freizeitgestaltung durch Bergklettertouren

Pilger-Projekt

Therapie-Angebot im Projekt

- Beratung der Familien durch den Therapeuten/Supervisor in der Familie, oft mit dem Psychologen

- Beratung/Unterstützung der Ehepartner als Paar-/Familienberatung mit dem Psychologen

- Pausenstrategien: Zeiteinteilung- und Energieeinteilung strukturieren (Marathon muss auszuhalten sein)

- Urlaub des Betreuers = ein anderer Betreuer (aus „Strannik“ oder „Pilger“) kommt

- Auszeiten des Betreuers = 1 – 2 Wochen Auszeit Bergsportler (aus „Strannik“ oder „Pilger“) kommen und übernehmen

- Urlaub als Auszeit für die Familie – Angebot wird angenommen – (In die Berge gehen immer 3 Leute, 2 Betreuer + Jugendlicher = nicht anders erlaubt)

- Supervision der Betreuer = 2 x pro Monat ist Pflicht im Büro in der Kleingruppe. Nach Bedarf wird zusätzlich Einzelsupervision angeboten

- Beratung und Training mit den Jugendlichen durch den Psychiater und den Psychologen auch in der Arbeitsstelle

- Supervision im professionellen Projekt-Team (ggf. Supervisor und Co-Psychiater)

Strannik-Projekt

- „Strannik“ ist ein Projekt, das zzt. im Rahmen eines Vereines durch ehrenamtliche Mitarbeiter aufgebaut und erweitert wird

- Der Verein wird geleitet durch den Psychologen und Stellvertreter des Pilger Projektes Herr Oleg Ladygin

- Das „Strannik“ Projekt ist wie folgt ausgerichtet:

- jugendliche Straßenkinder = Zielgruppe

- Bergklettern und Bergwanderungen = Freizeit

- Gesprächs- und Beratungsarbeit = aufsuchende Einzelbetreuung

- Suche nach einem Haus = Angebotserweiterung

Pilger-Projekt

Formen der Berichterstellung

Zielformulierung und Kontrolle

Pilger-Projekt

Anerkannt durch das Übersicht: Professionelles Projekt - Team

LJA Hannover 2001

Name

Wladimir Ziegler

Oleg Ladygin

Alexander Eremeew

Alexander Kartschin

Marina Turdakunova

Olga Toktossunowa

Alter

44 J.

32 J.

33 J.

47 J.

31 J.

37 J.

Beruf

  • Musiklehrer
  • Dirigent
  • Erzieher

 

(Felsenkletterer und Bergretter)

  • Bergbauing.
  • prakt. Psychologe
  • Supervisor

(Bergkletterer und Bergretter)

  • Psychiater
  • Psychotherapeut
  • Supervisor

 

(PC-Fachmann und Fortb. in Norwegen)

  • Jurist(Strafrecht)
  • Rechtsanwalt
  • Notar

 

(Kartfahrer zzt. in China)

  • Deutschlehrerin
  • Journalistik- und Presseerfahr.

(Fortb. zzt. in Deutschland)

 

  • Deutschlehrerin
  • Übersetzerin
  • Deutschkurse am Goethe Institut

(Betreuungsfamilie)

Beschäf-tigungs-umfang

Vollzeit

Vollzeit

Vollzeit

Vollzeit

Vollzeit

Auftragsarbeit

im Projekt

seit:

Aufgabe

1995 Erzieher

2001 päd. Leiter

 

  • Projektleiter
  • Koordinator
  • Organisator

1999 Betreuer

2001 Stellvertreter

 

  • Stellvertreter
  • psychol. Berater für

Jugendliche und Betreuungseltern

2000

Supervisor/Therapeut

 

  • Supervisor für Betreuungsfamilien
  • Therapeut für Jugendliche und Familien

2003

Jurist, Berater

 

Rechtsberater für

  • den Verein
  • die Betreuungsfami-lien
  • die Jugendlicnhen

2004

Sekretärin

 

  • Büroarbeit
  • Schreibaufträge
  • Berichte

2003

Betreuungsfamilie

 

  • -bersetzung der Berichte in die deutsche Sprache
  • Betreuungsmutter

Pilger-Projekt

Übersicht: Besuchte Jugendliche im Projekt

Name

Alter zzt.

Herkunfts-

Stadt:

im Projekt seit:

aktuelle Betreuungsform:

Betreuungsfamilie:

Rückkehr

Perspektive

Verbleib

Ma...

15

Nürnberg

(Hinflug begleitet mit dem Betreuer aus Kirgisien)

2003

Familie

Ku...

Jury und Alla

+3 Jahre für die Lehre bis 2007

Re...

17

Vechta

2003

Familie

Ko... Alexander

To... Olga

+1 Jahr zunächst Schulanschluss 2005

Eu...

19

Osnabrück

2001

Betreutes Wohnen

Ma... Sergei

+1 Jahr Schulabschluss

2005 ggf. Lehre

Ma...

18

Heidenheim

2001

Familie

(Wechsel der Betreuungsfamilie 1 x)

Po... Andrei und Tatjana

14.09.2004.

Rückkehr

Ch...

17

Detmold

2003

Zelt/Berge

Einzelbetreuung

Bergbauer

An... Igor und Tatjana

+1 Jahr zunächst

2005 Beziehungsaufbau

(zuvor. Island und Schottland)

Fl...

17

Helmstedt

2002

Betreutes Wohnen

Werkstatt

LB/GB

2 Betreuer

Ne... Mischa

und Elena

+1 Jahr zunächst 2005, danach ggf. nach Freistatt

An...

17

Grevenbroich

2001

Familie

LB/GB

Gu... Wladimir und Wera

+1 Jahr (Helfer als Schreiner) 2005

Betreff: Stellungnahme betreffs Ihrer Organisation

Sehr geehrter Herr Ziegler,

gern nehme ich Stellung zu Ihrer Anfrage betreffs der Beurteilung Ihrer Organisation und der Erfolge der konkreten Jugendarbeit.

Ich habe in den Jahren 2003-2005 über einen Zeitraum von ca. 2 Jahren seitens des Allgemeinen Sozialdienstes der Stadt Nürnberg (ASD) die Verantwortung für einen Jugendlichen getragen, der in Ihrer Einrichtung untergebracht ist. Während dieser Zeit war mein Kontakt zu Ihnen bzw. zur Einrichtung in Kirgistan sehr intensiv und produktiv. Ich habe zahlreiche Eindrücke über PILGER gesammelt, unter anderem auch durch einen mehrtägigen sehr aufschlussreichen Besuch in Bischkek/Kirgistan.

Ich halte die Jugendarbeit, die PILGER leistet, für besonders herausragend und Ö insbesondere für Jugendliche, die in Deutschland als zumindest schwierig, wenn nicht gar als ÄaussichtslosÓ gelten Ö für weit produktiver als es hier meist für möglich gehalten wird. Dazu trägt insbesondere das besondere Konzept von PILGER bei. Anfangs ist Verunmöglichung von Fluchttendenzen sicher nicht unwichtig für verschiedene Jugendliche. Nach dem Beginn der Maßnahme ist die sehr familiäre und gleichzeitig sehr regelklare Unterbringung, sozusagen das Herzstück der Organisation, der Garant des Erfolges. Die Aufnahme in einer kirgisischen Pädagogen-Familie sorgt für eine Art von tatsächlicher (und nicht verbal beschworener) ÄNachbemutterungÓ bzw. ÄNachbevaterungÓ. Diese Nachsozialisation ist es, die den Jugendlichen öffnet für eine ganz neue Selbstfindung und eine positive Lebensdefinition.

Das Konzept von PILGER sieht zunächst einen für die Jugendlichen anstrengenden erlebnispädagogischen Einstieg, meist in den Bergen, vor, wo die ersten Regeln bereits durch die Nähe, das Zusammengeschweißten in- einschätzbarer- Gefahr und die mangelnden Sprachkenntnisse gegeben sind. Bei dem von Nürnberg aus betreuten Jugendlichen, Mark, war u. a. dadurch ihm die Möglichkeit nicht gegeben, wie in deutschen Einrichtungen durch mannigfaltige Ausflüchte und sprachliche ÄKunststückeÓ sich der Verantwortung zu entwickeln.

Obwohl Mark ein unglückseliger ÄMeisterÓ im Intrigenspiel, Finden von Ausreden und Provozieren ist, fanden seine Experimente in Bischkek immer wieder eine Grenze, vielleicht ein Ende (aber das fast nie), jedenfalls immer eine produktive Lösung. Das ist einerseits möglich durch die konsequente und phantasievolle Regel- und Grenzesetzung inerhalb der Familie, wo Mark untergebracht ist.

Mark galt in Deutschland bereits fast als ÄunbeschulbarÓ. Durch den Privatunterricht bei einer Lehrerin konnte er aber doch wieder den Anschluß an schulische Erfordernisse finden.

Insbesondere jedoch ist die erfreuliche Entwicklung des Jugendlichen erklärlich durch die warme und verständnisvolle Zuwendung, die m.E. die ganz besondere Qualität der PILGER-Arbeit ausmacht. Wichtig in dem Zusammenhang ist sicher auch, dass der Psychologe der Einrichtung einen intensiven Kontakt zu Gasteltern und Jugendlichen pflegt.

Der Jugendliche wurde, mit allen seinen Schwierigkeiten, in den Familienverband aufgenommen und integriert. Er hat tatsächlich so etwas wie eine neue Familie gefunden. Mit dieser Hilfe konnte er ein neues, anders geprägtes, verantwortungsvoller, lebendiges, von vielen Anforderungen durchzogenes Leben beginnen.

Die Folgen waren derart gravierend, dass die Eltern von Mark ihren Sohn kaum noch ÄwiedererkanntenÓ. Die Eltern von Mark waren äußerst überrascht und auch erfreut, die Fortschritte ihres Sohnes zu sehen, und sie konnten diese Erfolge auch anerkennen. Nach einem kompletten Familienausschluß in den Jahren davor, einer sehr verächtlich und verurteilender Haltung gegenüber ihrem Sohn, war dieser Schritt etwas wie ein Erdrutsch.

Ich schildere hier vor allem Erfolge bezüglich des Jugendlichen aus unserer Stadt, ich habe jedoch in Bischkek auch andere Jugendliche und deren Neu-Eltern (sie sind tatsächlich viel mehr als nur Gasteltern) kennengelernt. Diese Erfahrungen haben mir gezeigt, dass die Entwicklung in allen Fällen durchaus ähnlich erfolgreich verlaufen.

Ich wünsche der Einrichtung PILGER weiterhin alles Gute und würde mich freuen, wenn die gute Arbeit so erfolgreich weitergeführt werden könnte.

Mit freundlichen Grüßen

i.A. Kl. S.

Soz. Päd., ASD/SW 2

Nürnberg, 1.7.05

 

Betreff: Gordon

Datum: Thu, 14 Jul 2005

Sehr geehrter Herr Ziegler,

während der Unterbringung des o. g. Jugendlichen über das ÄProjekt PilgerÓ in Kirgisien ist eine gute Zusammenarbeit und ein regelmäßiger Informationsaustausch zu verzeichnen gewesen. Für diese wertvolle und konstruktive Zusammenarbeit möchte ich mich nochmals bedanken und wünsche Ihnen für alle weiteren geplanten Projekte gutes Gelingen und viel Erfolg.

Mit freundlichen Grüßen,

im Auftrag

Niemann

Sozialarbeiterin, Jugendamt Potsdam

Hallo Herr Ziegler,

ich hatte ja vor einiger Zeit bei Ihnen den Tobias in Betreuung. Die Arbeit Ihres Projektes hat mir sehr gut gefallen. Tobias konnte sich bei Ihnen recht gut entwickeln.

Es hat mir sehr viel Freude gemacht, mit Ihnen zusammen zu arbeiten, wobei mir Ihre offene und direkte Vorgehensweise mit den Jugendlichen sehr zugesagt hat. Der Umgang mit Tobias war herzlich und er konnte das Gefühl entwickeln, dass sich seine Betreuer für ihn einsetzen, so dass er Vertrauen entwickeln konnte.

Leider war es mir persönlich nicht möglich, Ihr Projekt direkt in Kirgisien zu besuchen. Es war mir dann allerdings eine Hilfe, dass Sie gemeinsam mit Tobias einen Videofilm gedreht hatten, so dass ich doch einen recht guten Eindruck darüber erhalten konnte, wie es ihm "vor Ort" geht.

Ich wünsche Ihnen auch weiterhin Erfolg mit Ihrem Projekt, das ich nur weiter empfehlen kann.

Liebe Grüße nach Pattensen und Kirgisien

Werner Becker, Jugendamt Lehrte


den 22. Oktober 2004

Hallo, Herr Ziegler

Hallo, Liebe Projekt-Kollegen und Kolleginnen

Zunächst bedanke ich mich noch ein Mal von ganzem Herzen für die interessante, freundliche und wunderschöne Woche in Euerem Land.

Der Aufenthalt hat mich tief beeindruckt. Von Euerer Arbeit bin ich sehr positiv überrascht.

Toll Ö eine sehr differenzierte, qualifizierte und individuelle ausgewichtete Projektarbeit!!!

Danke für die Gastfreundschaft und unermüdliche Geduld.

Beigefügt der Zeitungsartikel, der eine sehr sehr positive Resonanz in Vechta erfolgt hat.

Elisabeth Hochgartz, Jugendamt Vechta