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Maßnahmeverlauf

Der Maßnahmeverlauf gliedert sich in folgende IV Phasen

Phase I - Beziehungsaufbau

Der Beziehungsaufbau zwischen dem Jugendlichen und dem Betreuer beginnt immer mit einer mehrtägigen Wandertour in freier, menschenleerer Natur zu Fuß oder mit dem Pferd (10 bis 20 Tage, bei Bedarf länger).

Die unbekannte Umgebung mit einer völlig anderen Lebenseinstellung (im Gegensatz zur "Null-Bock-Mentalität der deutschen Jugendlichen) und das Fehlen von Landes- und Sprachkenntnissen seitens der Jugendlichen sind die "natürlichen" Motivationsbedingungen für ein enges Zusammensein und -arbeiten zwischen dem Jugendlichen und seinem Betreuer und bietet im Prinzip keine Möglichkeiten zur Flucht und Distanzierung. In diesem überschaubaren Aktionsradius in der Natur werden alle täglichen Angelegenheiten wie z.B. Nahrungszubereitung, Aufräumen, Unterkunft bzw. Schlafplatz herrichten, Wäsche waschen usw. gemeinsam erledigt. Nach einer gewissen Eingewöhnungszeit in diesem Rahmen wird die Teilnahme z.B. an Expeditionen zu den Seen, Berghöhlen und Wildwasserfahrten mit ganz anderer Motivation wahrgenommen. Das bewegt die Jugendlichen dazu, über ihren "eigenen Schatten zu springen" und ermöglicht, ihre Selbstwirksamkeit zu erfahren. Die Expeditionen haben sich als sehr motivationsfördernd für die Beziehung Betreuer - Jugendlicher erwiesen. Der Pädagoge wird als "Mensch" angesehen und anerkannt. Sind die Beziehungen zwischen dem Jugendlichen und seinem Betreuer ausreichend gefestigt, wird gemeinsam die nächste Phase geplant.

Dia-show "Phase I"

 Phase II - Erweiterter Gesichtskreis und "individuelles Projekt"

Durch das Erlebte und Gelernte in Phase I erkennen die Jugendlichen, dass "die Brötchen nicht auf den Bäumen wachsen", ihr "Cool sein" wandelt sich in Anerkennung eigener Leistungen und die anderer. Es wird langsam klar, dass der Mensch durch sein "Geben und Nehmen" von anderen und sich selbst zu bewerten und zu akzeptieren ist. Gemeinschaftliches Leben auf dem Lande, wo "Aldi" und "McDonald" nicht zur Verfügung stehen, sondern die Menschen ihre Nahrung durch gemeinsames Handeln erarbeiten (Viehzucht, Gemüseanbau, Obst- und Früchteanbau usw.) und durch eigene Anstrengung ihre wirtschaftliche Lebenslage verbessern und sichern, motiviert den Jugendlichen, eigene Kräfte und Pläne im realen Leben auszuprobieren. Anknüpfend an Interessen, Wünsche und Ziele des Jugendlichen werden in dieser Zeit unterschiedliche Projekte mit ihm geplant und durchgeführt. Im Rahmen dieser Projekte werden Kreativität, handwerkliche Geschicklichkeit, Belastbarkeit, Ausdauer, soziale Fähigkeiten gefördert und gefestigt. Dies können z.B. sein:

 "Traktorprojekt":

Zusammenbasteln eines Traktors, um auf dem Feld für den eigenen Bedarf zu arbeiten oder der Dorfgemeinschaft zu helfen.






"Autoprojekt":

Ein Schrottauto fahrbar machen, um fachtechnisches Wissen (Lackierarbeit, Karosseriearbeit, Schlosserkenntnisse) zu erwerben, eine Fahrererlaubnis zu bekommen, die auch in Deutschland ohne zusätzliche Prüfung bestimmte Zeit gültig ist.




"Tierzuchtprojekt":

Viehzucht oder Zucht von Haus- und Kleintieren (Kaninchen, Meerschweinchen, Hühner, Gänse, Enten, Tauben usw. mit eigenem Ackeranbau) oder Imkerei, um handwerkliche und wirtschaftliche, zoologische oder kaufmännische Grundkenntnisse zu erwerben.






 "Soziales Projekt":

Hilfe gegenüber in Not geratenen Menschen: Lebensmittelbesorgung, Renovierung, Begleitung zum Arzt, Wohnung beheizen (im Winter) usw., Unterstützung von Straßenkinder mit Kooperationspartnern. Parallel dazu werden potentielle Freizeitinteressen der Jugendlichen erkundet und gefördert. Nach Möglichkeit werden die Jugendlichen zur aktiven Teilnahme an entsprechende Vereine oder Freizeitgruppen herangeführt. Je nach pädagogischer Notwendigkeit setzen wir erlebnispädagogische Elemente ein - insbesondere bei Krisensituationen.

Hat der Jugendliche erste positive Erfahrungen mit seinen eigenen Kräften, seiner eigenen Leistungsfähigkeit, seiner Selbstwirksamkeit gesammelt, folgt der Übergang zur III. Phase.

Dia-show "Phase II"

Phase III - Vorbereitung auf Schul- oder Berufsausbildung

Die in Phasen I und II entwickelten Fähigkeiten wie Ausdauer, Vertrauen zu sich und den Mitmenschen, erfolgreiches Handeln, ermöglichen dem Jugendlichen über seinen bisherigen Horizont hinaus zu schauen. Eigene Schwächen lernt er besser einzuschätzen, Stärken zu entwickeln. Dabei gelingt es ihm immer besser, für sich selbst erreichbare Ziele zu stecken. Die intrinsische Motivation bewegt den Jugendlichen zum gezielten Lernen. Der junge Mensch ist in dieser Lebensphase bereit, einen Schulabschluss anzustreben (in einer deutschsprachigen Schule, durch Fernschule oder Einzelunterricht) oder vorbereitende Qualifikationen zu erwerben. Die im Laufe des Projektes erworbenen Fähigkeiten und Fertigkeiten kцnnen ebenfalls genutzt werden, um berufliche Qualifikationen zu erlernen. Dazu wird ihnen Gelegenheit gegeben, sich durch Praktika auszuprobieren und in unterschiedlichen Arbeitsfeldern aktiv mitzuarbeiten (z.B. Bäckerei, Autowerkstatt, Bauernhof, Friseursalon, Cafe, Tischlerei usw.). Durch das Internet besteht eine Möglichkeit, zu vergleichbaren deutschen Ausbildungsbetrieben Kontakt aufzunehmen und professionellen Lernaustausch herzustellen. Musikalische, künstlerische, kulturelle Bedürfnisse der Jugendlichen werden berücksichtigt und unterstützt. Das verstärkt die Selbstsicherheit des Jugendlichen, beeinflusst den erzieherischen Prozess und erleichtert die Integration bei der Rьckkehr nach Deutschland.



Dia-show "Phase III"

 Phase IV - Ablösephase und Vorbereitung auf die Rückkehr nach Deutschland

Auslandsmaßnahmen basieren auf der bewussten Herausnehme des Jugendlichen aus seinen gewohnten sozialen Bezügen und Verhaltensweisen und zielen auf eine völlige Neuorientierung ab. Damit kommt der Phase der Ablösung und Rückkehr nach Deutschland eine entscheidende Bedeutung zu. Sie ist rechtzeitig und sorgfältig im Rahmen der Hilfeplanung mit allen Beteiligten vorzubereiten. Insbesondere ist darauf zu achten, dass der Jugendliche die Auslandsphase positiv für sich abschließen kann, er die entwickelte Perspektive akzeptieren und mittragen kann und die Anschlussmaßnahme strukturell und inhaltlich so gestaltet wird, dass sie Bezug auf die Erfahrungen des Auslandsaufenthaltes nimmt und die erlernten Fähigkeiten und Kompetenzen "nahtlos" zum Tragen kommen können.

Eine ausreichende und angemessene Vermittlung der Erfahrungen und Erkenntnisse aus der bisherigen Arbeit mit dem jungen Menschen ist ebenso von Bedeutung wie die Begleitung des Jugendlichen in den neuen Lebensabschnitt durch eine vertraute Bezugsperson.

Dia-show "Phase IV"

 

 Nachbetreuung

Die Nachbetreuung in Deutschland erfolgt in der eigenen Einrichtung des Geschäftsführers im Landkreis Hannover, wobei sich auch die Unterbringung in die Einrichtungen der Kooperationspartner vom "Pilger" bei Bedarf organisieren lässt.