Das Prinzip der gleichberechtigten Zusammenarbeit

Wer im Meer gewesen ist, den erschreckt keine Pfütze mehr

So erzählt der Aussiedler Wladimir Ziegler - ein Pädagoge, der das Jugendhilfeprojekt PIGLER erfolgreich entwickelt und realisiert hat, von seinen Pflegekindern.

Das Projekt wird nur in einem Bundesland verwirklicht, sieht jedoch vor, allen schwererziehbaren Jugendlichen, unabhängig von ihrem Wohnort, praktische Hilfe zu leisten, da dieses Projekt aus öffentlichen Mitteln finanziert wird.

Nachdem Wladimir Ziegler die bisherigen Erziehungsgrundsätze für die heranwachsende Generation kreativ überdacht hatte, entwickelte er eine originelle eigene pädagogische Methode. Sie stellt eine Kombination aus Erlebnis und Arbeitspädagogik dar. Von dem Prinzip der kollektiven Erziehung, wie sie uns aus der ehemaligen Sowjetunion bekannt ist, hat Wladimir nichts übrig gelassen.

Der Erfolg seiner Methode besteht darin, dass er flexibel auf die individuellen Besonderheiten der Kinder eingeht.

Die Pädagogik des Überlebens hat sich als sehr effektiv herausgestellt.

 Diese einfache Formel, die zum Titel unseres Artikels gewählt wurde, wurde schon in uralten Zeiten der Umerziehung junger Menschen zugrunde gelegt.Der Sinn dieser Methode bestand darin, einen jungen Mann für eine längere Zeit auf See zu schicken, wodurch sein Leben auf positive Weise stark in eine andere Richtung verändert wurde. Er wurde als Matrose oder Schiffsjunge angeheuert. Auf dem Schiff war er verpflichtet, Kommandos genauestens auszuführen und sich der strengen Disziplin zu fügen. Die Erfüllung der ihm zugewiesenen Pflichten schloss jede Art von Schmarotzertum aus.

Unter den extremen Bedingungen der Seefahrt haben die jungen Männer unschätzbare persönliche Erfahrungen gesammelt. Schließlich mussten sie nicht nur standhaft alle Strapazen des Dienstes bewältigen, sondern auch häufig für das eigene Überleben kämpfen. Nehmen Sie zum Beispiel einen Sturm, bei dem von den exakten Handlungen jedes Mitglieds der Mannschaft das Schicksal aller abhängt. Das Schiff sinkt zum Grund, wenn man den Mast falsch befestigt.Genau deshalb wird diese Methode in der Erziehungstheorie Erlebnispädagogik genannt.

Arbeit braucht Zähne, Faulheit nutzt die Zunge

Es gab Zeiten, in denen die pädagogische Wissenschaft auf die verbale Überzeugung großen Wert legte. Wladimir Ziegler, Alpin-Sportler, ist mit seinem originellen Erziehungsprojekt „Pilger“ kreativ an die Sache herangegangen und hat sich von leerem Gerede abgekehrt.

Er bevorzugt Taten und geht ganz einfach in die Tienschan Berge. Dort „beißt“ er sich, gemeinsam mit einen Pflegekindern, aufWanderpfaden in den Felsen fest: Sie überwinden gemeinsam Bergflüsse, erbauen aus eigener Kraft Unterkünfte, reparieren alte technische Geräte, hüten Tiere und helfen Bedürftigen. Sie unterziehen sich hier also einer echten Arbeitstherapie.

In deutschen Lehrbüchern, die Wladimir drei Jahre lang während seiner Ausbildung zum Sozialpädagogen studiert hatte, nannte man dies Arbeitspädagogik. Gerade die Kombination dieser beiden Methoden gibt Zieglers Pflegekindern die Möglichkeit, unschätzbare persönliche Erfahrungen zu machen. Anschaulich ausgedrückt, bekommt jeder Jugndliche hier die Gelegenheit, sich an einem rauen, aber realen Leben zu beweisen.

Dabei ist es sehr wichtig, dass die Jugendlichen die Zeit, in der sie alles fertig serviert bekamen, mit anderen Augen zu sehen bekommen. Damit sie aufs Neue das Wohl der Zivilisation zu schätzen lernen, das ihnen durch unzählige Supermärkte undMcDonalds´-Restaurants geboten wird. Parallel dazu werden sie selbstständig und für sich- und das ist das wichtigste! - auch weitere wichtige Konsequenzen ziehen.

 

Hunger ist der beste Erfinder

Ohne dies zu bereuen, warf Ziegler noch zwei weitere überholte Prinzipien ab: die hierarchische Unterordnung, die persönliche Verantwortung für eigene Taten immer ausschließt, und die Befehlstaktik, wenn der Jugendliche keinerlei Selbständigkeit zeigt und nur auf einen Befehl wartet.

Anstatt dessen nutzt Wladimir Ziegler bei der Lösung aller Probleme das Prinzip der gleichberechtigten Zusammenarbeit.Dadurch wird erreicht, dass bei den Jugendlichen die Verbrauchermentalität verschwindet und sich Selbstständigkeit und Aktivität entwickelten.

Wohl kaum konnte einer der Jungen am Anfang der Wanderung selber Essen zubereiten, sie waren es ja gewohnt, alles fertig zu bekommen. Über solche sagt man auch: Ihm muss man das Essen nicht nur zubereiten, sondern auch noch in den Mund legen.

Ich will - also ich kann

Wladimir Ziegler hat nur eine einzige Regel der alten Methode unverändert gelassen: eine unerwartete Veränderung der Umgebung und eine völlige Neuorientierung des Lebens des zu Erziehenden. Er muss unbedingt aus der alten Umweltherausgeholt werden, die ihm einen leichten Zugang zu Alkohol und Drogen sowie eine sorgen- und sinnfreie Existenz ermöglicht hat. Erst wenn ein Mensch den Geschmack eines vollwertigen und gesunden Lebens gespürt hat, kann bei ihm das Verlangen entstehen, sich für immer von der Alkohol –und Drogenabhängigkeit zu befreien. Und sein eigener Wille ist das Wichtigste überhaupt. Er macht 50 Prozent des Erfolgs der Sache aus.

Je länger du fährst, desto besser wird die Straße

Das Projekt „Pilger“ ist ein Beispiel für internationale Zusammenarbeit zwischen Deutschland und GUS-Staaten, und deshalb ist Wladimir immer unterwegs. Zurzeit gibt es viel Arbeit mit Kindern von Aussiedlern, die in die Klemme geraten sind.

Erst neulich wurde zwischen den Kultusministerien Kirgisiens und Deutschlands ein Vertrag über die gegenseitige Hilfe undUnterstützung bei der Erziehung unterschrieben. Auf der Basis dieses Vertrags steht Zieglers Projekt.

Ziegler hat eine Gruppe von gleichgesinnten Pädagogen aus der Schule, in der er vor seiner Ausreise nach Deutschland gearbeitet hatte, zusammengestellt. Sie besteht aus Lehrern, Erziehern und Psychologen, die ihm in Kirgisien dabei helfen, die neuen jungen Deutschen ins normale Leben zurückzuholen.

In der letzten Zeit haben auch andere Regionen ihre Bereitschaft geäußert, sich der Durchführung des Projektes „Pilger“ anzuschließen: Sibirien, Ural, Kasachstan und das Gebiet Moskau.

Ziegler träumt davon, durch die gemeinsamen Bemühungen örtlicher Erzieher und übergesiedelter Pädagogen einen speziellenVerein unter der Leitung eines Jugendamtes zu gründen.

Er lädt alle Pädagogen und Erzieher zur Zusammenarbeit ein, die Erfahrung mit Problemjugendlichen haben. Viele von denen, die schon lange in Deutschland leben, haben keine Arbeit in ihrem Fachgebiet gefunden, obwohl sie davon träumen.

Bei Fragen bezüglich der Hilfe für Jugendliche oder einfach um einen Ratschlag einzuholen kann man sich immer an den Erzieher selbst wenden (0173-611-9866) oder sein Büro unter der Nummer 05101-925-708 anrufen.

Liebe Leser! Wenn Ihnen bekannt ist, dass irgendein Kind aufgrund seiner Familiensituation in Not geraten ist, empfehlen Sieseinen Angehörigen, sich an das zuständige Jugendamt zu wenden und dort einfach um Unterstützung zu bitten bzw. auf das Projekt PILGER hinzuweisen.

D. Achtziger

Auf den Fotos: Der Pädagoge Wladimir Ziegler (oben) fährt oft mit seinen Pflegekindern in die Tienschan Berge. Auf solchen Wanderungen wird der Charakter der Jungendlichen gefestigt.

 

Принцип равноправного сотрудничества

1999 г.Кто побывал в море, того лужей не испугаешь

Так говорит о своих воспитанниках педагог-переселенец Владимир Циглер, который разработал и успешно осуществляет "Jugendhilfe-Pojekt-Pilger". Проектбазируется в федеральной земле , но направлен на оказание практической помощи всем трудновоспитуемым подросткам, независимо от адреса их проживания, так как финансируется за счет государственных средств.

Творчески подойдя к старым принципам воспитания подрастающего поколения, Владимир Циглер разработал собственную оригинальную педагогическую методику. Она представляет из себя комбинацию Erlebnisßund Arbeitspädagogik. От принципов коллективного воспитания, известных нам по бывшему Союзу, Владимир не оставил и камня на камне.

Успех его метода заключается в том, что он позволяет гибко реагировать на индивидуальные особенности детей.

Педагогика выживания оказалась очень эффективной

Эту незатейливую формулу, которая послужила названием нашей статьи, заложили в основу перевоспитания юношей еще в незапамятные времена.

Суть приема состояла в том, что молодого человека на длительное время отправляли в морское плавание, от чего его жизнь резко меняла свое направление в положительную сторону. Его зачисляли в команду в качестве матроса или юнги. На корабле он обязан был четко исполнять приказы и подчиняться строгой дисциплине. Выполнение закрепленных за ним обязанностей исключало всякое иждивенческое настроение. В экстремальных условиях морского похода юноша приобретал бесценный личный опыт. Ведь ему приходилось не только стойко преодолевать все тяготы службы, но и зачастую бороться за собственную выживаемость. Возьмите хотя бы шторм, когда от четких действий каждого члена команды зависит общая судьба. Корабль пойдет ко дну, если неверно закрепить мачту.

Именно поэтому в теории воспитания этот метод так и был назван Erlebnispädaagogik.

Работа всегда с зубами, а лень - с языком

Когда-то методу словесного убеждения педагогическая наука придавала большое значение. Владимир Циглер, являющийся спортсменом-альпинистом, в своем оригинальном воспитательном проекте "Pilger" творчески подошел к делу и отказался от пустой говорильни.

Всегда предпочитая действие, он просто-напросто отправляется в Тянь-Шанские горы. Там на туристскихтропах он вместе со своими воспитанниками "вгрызается" в скалы: вместе преодолевают горные реки, собственными руками сооружают жилище, ремонтируют старую технику, ухаживают за животными и помогают нуждающимся людям. То есть занимаются самой настоящей трудотерапией.

В немецких учебниках, которые три года штудировал Владимир, обучаясь на воспитателя, это называлось Arbeitspädagogik. Именно сочетание этих двух методов дает возможность воспитанникам Циглера приобрести бесценный личный опыт. Образно выражаясь, самому на зуб испробовать на зуб суровую, но настоящую жизнь.

Очень важно при этом добиться того, чтобы подростки по другому оценили то время, когда жили на все готовеньком. Чтобы по-новому оценили блага цивилизации, которые им предлагали бесчисленные супермаркеты и Мак-Дональдсы. Попутно, а самое главное - самостоятельно, они сделают и другие полезнее выводы.

Проголодаешься, так сам догадаешься

Без сожаления Циглером были отброшены в сторону еще два старых принципа - иерархическое подчинение, которое всегда исключает личную ответственность за собственные поступки, а также командирское начало, когда воспитанник не проявляет самостоятельность, а все время ждет приказа со стороны.

Вместо этого Владимир Циглер использует принцип равноправного сотрудничества в решении всех проблем. В результате этого у подростка исчезает потребительское отношение к жизни и вырабатываются навыки самостоятельности и активности.

Вряд ли кто из парнишек в начале похода умел сам приготовить пищу, привыкли жить на всем готовеньком. Про таких еще говорят: ему не только замеси, но и в рот поднеси.

Хочу - значит могу

Без изменения оставил Владимир лишь одно правило старого метода: неожиданную смену окружения и полню переориентацию всей жизни воспитанника. Он непременно должен быть изъят из старой атмосферы, которая запросто предоставляла ему алкоголь, наркотики, беззаботное и бессмысленное существование. Только после того, как молодой человек почувствует вкус к полноценной и здоровой жизни, у него может возникнуть желание навсегда избавиться от алкогольной или наркотической зависимости. А личное его желание - самое важное. Оно на 50 процентов обеспечивает успех дела.

Чем больше ездишь, тем лучше дорога

Проект "Pilger" являет собой пример международного сотрудничества Германии и стран СНГ, поэтому Владимир постоянно находится в пути. В настоящее время проводится большая работа с детьми переселенцев, которая попали в беду.
Совсем недавно заключен договор о взаимопомощи и поддержке воспитательных систем между Министерствами образования Киргизии и Германии, на базе которого осуществляется проект Циглера.

Из педагогов школы, в которой он работал до переезда в ФРГ, Владимир собрал группу, состоящую из настоящих единомышленников. Это учителя, воспитатели, психологи, которые помогают ему в Киргизии вернуть к нормальной жизни новых юных граждан Германии.

В последнее время выразили свою готовность подключиться к работе по осуществлению проекта "Pilger" и в других регионах России: в Сибири, на Урале, в Казахстане и в Подмосковье.

Циглер мечтает о том, чтобы совместными усилиями местных воспитателей и педагогов-переселенцев создать под руководством государственного ведомства по делам молодежи специальное объединение.

Он приглашает к сотрудничеству всех педагогов и воспитателей, имеющих опыт работы с трудными подростками. Многие из них, подолгу живя в Германии, так и не нашли работу по специальности, хотя мечтают об этом.

По вопросам помощи подросткам или просто за советом можно всегда обратиться к самому воспитателю (0173-611-9866), или же позвонить в его бюро по телефону: 05101-925-708.

Дорогие читатели! Если вам известно, что в результате семейной ситуации какой-то ребенок оказался в беде, то посоветуйте его родным обратиться в Jugendamt - местное ведомство по делам молодежи. А там просто попросить содействия и назвать координаты проекта "Pilger", который поможет решить проблемы.

Д.Ахцигер

На снимках: педагог Владимир Циглер (вверху) часто выезжает со своими воспитанниками в Тянь-Шаньские горы. В таких походах закаляются характеры мальчишек.