Pädagogischer Ansatz

Allgemeine Grundlagen

Grundsätzlich wird der junge Mensch nicht an seinen Defiziten gemessen, sondern als Lernender und gleichwertiger Mensch betrachtet (kein Befehl-Gehorsam-Prinzip), das heißt: mehr Rechte erhält man nur, wenn man bereit ist, mehr Pflichten zu erfüllen. Der jeweiligen Problematik und der Entwicklungslage des jungen Menschen angepasst kommen verschiedene Handlungskonzepte der Sozialpädagogik zum Tragen. Zu nennen sind vor allem lebensweltorientierte, beziehungsorientierte, systemische und situative Ansätze; dabei bildet das Prinzip der gemeinsamen Arbeit einen Schwerpunkt.

Zum pädagogischen Alltag gehören zahlreiche erlebnispädagogische Aktivitäten, Projektarbeiten im handwerklichen, wirtschaftlichen und sozialen Bereich und die kontinuierliche Reflexion.

Jugendlicher_zusammenbauen_vp-300x200Von wesentlicher Bedeutung sind außerdem die besonderen Lebens- und Lernbedingungen der fremden geographischen, sozialen, kulturellen, technischen und sprachlichen Umwelt, die kaum Ausweichmöglichkeit aus der Situation zulassen, sondern zu ganzheitlichen Lebenserfahrungen führen.
Sie lassen den Jugendlichen das Aufeinander-Angewiesen-Sein sowie auch seine Selbstwirksamkeit unmittelbar spüren und erleben. Durch die geringere soziale Komplexität im Gastland sind Handlungsstrukturen leichter zu entwickeln und auf ihre Wirksamkeit zu überprüfen. Lernen erfolgt dadurch Schritt für Schritt vor allem aus Konsequenzen „natürlicher“ Art (W. Metzger, R. Dreikurs). Die in Deutschland erlernten Verhaltensmuster, die hier nicht mehr greifen, werden so langsam ersetzt und eine Verbindung von Alltagsleben, pädagogischer Arbeit sowie therapeutischen Angeboten in einem stabilen Beziehungsrahmen wird hergestellt. Durch diese natürlichen und weitere, gezielt gestaltete Herausforderungen erhalten die Jugendlichen die Möglichkeit, die gewohnten, eingeschliffenen Rollen und Verhaltensweisen zu reflektieren, eigene Stärken und Schwächen zu erkennen, sich mit fachlicher Unterstützung zu mobilisieren und dadurch neue Lebensperspektiven zu entdecken und zu festigen.

Erlebnispaedagogik_Wandern_7_vpBesonders nachhaltig für eine positivere Einstellung zu sich selbst und anderen hat sich die Begegnung mit der Natur in ihrer sehr ursprünglichen Form erwiesen. Das unmittelbare Erleben der Natur im Gastland mit ihren extremen Gegensätzlichkeiten von Hitze und Kälte, Wind und Windstille, tiefen Schluchten und Hochgebirge, Seen und Steppen usw. vermitteln andere Einsichten und bewirken persönliches Wachstum. Natürlich beeinflusst auch die umgebende Kultur mit den Sitten und Gebräuchen der dort lebenden Bevölkerung den Erziehungsprozess (interkulturelles Training). Auch die Wirkung der musikalischen und künstlerischen – meist sehr ursprünglichen – Darbietungen in feierlichen Zeremonien hat unter Umständen durch das intensive Erlebnis in einer Gemeinschaft therapeutischen Wert.

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